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WAZ, 04.10.2012: Herbede sucht Anschluss zur Ruhr

Eine Art Barriere zur Ruhr und zum See bildet die Bahnstrecke durch Herbede. Foto: Marcus SimaitisWAZ. Rund 130 000 Pedalritter, die jährlich mit der Fähre am Schleusenwärterhaus übersetzen, können sich nicht irren: Der Ruhrtalradweg ist, ebenso wie der Kemnader See, ein Besuchermagnet.

Aber Herbede selbst profitiert von dieser strategisch so günstigen Lage bisher viel zu wenig.

Wie es sich als „Fenster zur Ruhr“ besser öffnen könne, wurde ebenfalls bei der öffentlichen Mitglieder- und Bürgerversammlung der SPD in Vormholz (wir berichteten) diskutiert. Dabei wurde auch betont, dass die Beschilderung sowohl vom Ruhrtalradweg zum Kemnader See als auch die der Straßen verbessert werden muss. Noch fehlen überall Hinweise auf den Ortskern von Herbede. „Es ist ein Gesamtkonzept der Beschilderung erforderlich, wir reden nicht über einzelne Schilder“, betonte Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke.

Um ein solches, bisher nicht existierendes Konzept zu erarbeiten, könnten sich alle Beteiligten, etwa Herbeder Geschäftsleute, Politiker und Verwaltung, an einen Tisch setzen, regte Bradtke jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung an. „Wenn nur zehn Prozent der rund 130 000 Vorbeikommenden nach Herbede gelockt würden, könnte der Stadtteil davon erheblich profitieren“, rechnet er vor - insbesondere auch der gemütliche Ortskern mit der Meesmannstraße und dem Platz an der Schmiede.

„Sie hat einen schönen Dorfstraßen-Charakter“, bescheinigt Bradtke der Meesmannstraße. Dort die Gastronomie sowie im Umfeld die Beherbergungsbetriebe - vielleicht auch private Zimmervermieter - zu stärken, sieht Bradtke als Möglichkeit, die Attraktivität Herbedes für Besucher zu steigern.

Als „vorbildliches Beispiel“, durch Gastronomie Freizeitgäste anzulocken, sieht der Stadtbaurat die Bewirtschaftung des nahe gelegenen Schleusenwärterhauses durch die Wabe. Ein weiterer Schritt, den Ortskern von jener Ruhrrichtung aus anzubinden, steht bekanntlich bevor. Das ehemalige Zollhaus an der Lakebrücke wird umgebaut und soll als Gartenlokal mit Blick auf den Fluss im Sommer 2013 eröffnen.

Wesentlich komplizierter sieht es jedoch aus, Herbede von der Seeseite aus attraktiv anzubinden. Barrieren sind die Autobahn, die Gleisanlage der Ruhrtalbahn und die in diesem Areal angesiedelten Industriebetriebe. Und wer schon einmal versucht hat, sich vom Kemnader See aus als Spaziergänger oder per Rad über die Schloss- oder die Gerberstraße bis ins Herbeder Zentrum durchzuwursteln, wird leicht verstehen, dass dieses Unterfangen gerade Ortsunkundigen viele Fragezeichen auf die Stirn zaubert.

Ein solides, durchgängiges Beschilderungskonzept ist also dringend geboten.

WAZ-Bericht von Thomas Borowski und Michael Vaupel

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