WAZ, 04.09.2012: Tag des Denkmals 2012 baut auf Holzhaus

 Die ehrenamtlichen Zechenhelfer Hermann Dede (links) und Karl Ackermann. Foto: Joachim HänischWAZ. Die Stadt Witten beteiligt sich am Sonntag, 9. September, mit elf Orten am Tag des offenen Denkmals. Thema ist in diesem Jahr Holz. Wie es beispielsweise im Bergbau verwendet wurde, ist gut im Muttental zu sehen.

Wie die Städte mit dem Thema „Tag des offenen Denkmals“ umgehen, ist ihnen weitestgehend selbst überlassen. Nur das Motto wird in jedem Jahr neu vorgegeben. Diesmal dreht sich alles um Holz, das früher besonders häufig im Bergbau verwendet wurde.

Am kommenden Sonntag, 9. September, stehen allen Wittenern und Gästen in der Ruhrstadt elf Denkmäler offen, die mit einem besonderen Programmangebot aufwarten. Karl Ackermann und Hermann Dede haben ihre Vorbereitungen für den Denkmaltag fast abgeschlossen. Sie schleppen zwei lange Holzpfähle zu einem Stolleneingang. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Herberholz im Muttental haben die beiden Mitglieder des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten einen Querschnitt durch einen früher typischen Stollen errichtet. Besucher treffen hier auf Mundlöcher als spannendes Anschauungsobjekt.

Was das mit Holz zu tun hat? Ganz einfach: Der gesamte Tunnel wird mit Holzstreben abgestützt. „Das war bis in die 50er Jahre hinein üblich“, weiß Karl Ackermann. Damals sei häufig langfaseriges Nadelholz dafür verwendet worden. Die Pfeiler waren für die Bergmänner nicht nur eine Stütze beim Tunnelbau, sondern auch eine Art Sicherung. Hörten die Bergleute ein Knacken im Gebälk, war es für sie ein untrügliches Zeichen, dass der Druck zu groß wurde. „Für sie hieß es dann, die Beine in die Hand zu nehmen und wegzulaufen.“

Früher wurde Holz häufig auch als Schienenmaterial verwendet. Doch der häufig verwendete Baustoff barg auch Risiken. Bei Grubenfeuern gingen ganze Stollen in Windeseile in Flammen auf. Deshalb setzten sich im Bergbau schließlich Stahlstützen durch. Diese Geschichte und noch viele weitere Aspekte des historischen Bergbaus können Besucher in der Wiege des Ruhrgebietbergbaus am Sonntag erfahren. „Wer etwas wissen möchte, dem erzähle ich etwas“, meint das Fördervereinsmitglied. Trotz des holzigen Mottos sind übrigens auch jüngere Ausstellungsstücke aus der Geschichte des Bergbaus zu besichtigen.

Beim Tag des offenen Denkmals können Besucher auf ihrer Route am Bergbauwanderweg viele weitere Glanzlichter entdecken. „Und wenn man kleinere Umwege einplant, sieht man noch mehr Schönes“, meint Florian Schrader vom Planungsamt. Der 33-Jährige ist als Nachfolger von Denkmalpfleger Martin Jakel zum ersten Mal für die Durchführung in Witten verantwortlich. Mit elf geöffneten Denkmälern hat die Stadtverwaltung ein großes Paket geschnürt.

In der Stadtmitte führt Pastor Bernd Neuser durch die Johanniskirche und erläutert die Besonderheit der Grabsteine und der Orgel. Einen einmaligen Ausblick genießen Besucher, die die Stufen des Helenenturms hinaufgehen. „Von hier aus kann man die ganze Stadt überblicken“, so Schrader.

In Herbede und Heven stehen das Schleusenwärterhäuschen - hier gibt es eine Ausstellung - sowie Haus Herbede Besuchern offen. Einen einmaligen Einblick können Gäste in der Mühle am Lohmannswehr erleben. Die Friedr. Lohmann GmbH öffnet anlässlich des 222-jährigen Firmenbestehens das Archiv und zeigt, wie die Wasserkraftturbine funktioniert. (Anmeldung 70 14-174).

Im Muttental selbst stehen noch die Burgruine Hardenstein, die Zechen Theresia und Nachtigall (Eintritt frei) und das Bethaus offen, letzteres mit einem speziellen Angebot für Kinder. Vom Steigerhaus starten Wanderungen. In der Zeche Herberholz erwartet Besucher eine große Bergwerkausstellung.

WAZ-Bericht von Stefan Rebein

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