WAZ, 01.07.2012: Talare an der Ruhr

Am Schleusenwärterhaus an der Ruhr fand am Sonntag ein Open Air Tauffest statt. 68 Personen wurden bei dem Fest getauft. Foto: Marcus Simaitis / WAZ FotoPoolWAZ. Halleluja! Aus der Kirche ist man diesen Ruf gewohnt, am Schleusenwärterhäuschen hingegen sorgt er eher für Verwirrung. Nicht so am Sonntag. Da wimmelte es an der Ruhr von Gläubigen, die zum ersten Tauffest des evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten gekommen waren.

1400 tummeln sich auf dem Gelände an der Ruhr. Viele von ihnen sind Familienmitglieder eines der 68 Taufkinder. Rund um die Wiese vor dem Schleusenwärterhäuschen sind Pavillons aufgebaut, unter ihnen gruppieren sich die Familien und lauschen den Segensworten der Pfarrer. Von der zentral gelegenen Bühne hört man den Chor „soulteens“ der Creativen Kirche singen, manch ein Besucher gönnt sich dabei eine Bratwurst. Dass man mitten in einen Freiluftgottesdienst platzt, lässt sich auf den ersten Blick kaum erahnen. Denn hier erinnert nichts an einen klassischen Gottesdienst - bis auf die Talare der Pfarrer und die Taufbecken, die unter den Pavillons stehen.

Ganz klar: Diese Taufe vergisst man so schnell nicht. Wann hat man schließlich die Chance, unter freiem Himmel getauft zu werden? Pfarrerin Annette Krüger, die das Fest organisiert, sagt: „Viele unserer Gemeindemitglieder haben hier eine ganz andere Verbindung zu Gott, als wenn man in der Kirche sitzt. Und dann spielt auch noch das Wetter mit. Wenn das kein guter Draht nach oben ist, weiß ich auch nicht.“ Viele Besucher haben den feinen Anzug und das festliche Kleid aus dem Schrank geholt, manch einer nutzt den außergewöhnlichen Ort für einen lässigeren Kleidungsstil. Die zweijährige Kimberly in einem weiß-roten Kleid wurde gemeinsam mit ihrer Schwester getauft. Papa Thomas Dombrowski mag den Ort der Taufe: „Als wir die Anfrage bekamen, haben wir sofort zugesagt. Das ist mal etwas anderes und wir werden es so schnell nicht vergessen.“

Damit wenigstens ein Täufling auch wirklich in der Ruhr den Segen empfängt, macht sich Pfarrer Michael Dettmann von der Creativen Kirche auch die Hosenbeine nass. Gemeinsam mit dem kleinen Jungen stieg er in den Fluss. Das sorgte allerdings nicht nur für positive Resonanz. Manch ein Radfahrer war irritiert von dem Bild des Pfarrers und Jungen in der Ruhr. „Klar ist das außergewöhnlich, aber trotzdem komisch. Wir sind doch hier nicht in Indien, wo man die Menschen in den Ganges schubst“, meint die 68-jährige Ursula. Sie und ihr Mann sind mit dem Fahrrad auf dem Ruhrtalradweg unterwegs, als sie am Fest vorbeikommen. Sie ist evangelisch, aber eher traditionell eingestellt. „Meine Enkel wurden in der Kirche getauft. Das passt besser zu einem solch festlichen Anlass.“

Nach einer Stunde ist der Gottesdienst beendet. Mit der Bratwurst in der Hand und der Sonne am Himmel genießen viele Besucher noch den Tag an der Ruhr. Ob es das Fest allerdings im nächsten Jahr geben wird, darüber ist sich Pfarrerin Annette Krüger noch nicht sicher: „Es gab nur positive Reaktionen. Aber das ist enorm viel Arbeit und ein großer Aufwand gewesen. Gelohnt hat es sich trotzdem.“ Amen!

WAZ-Bericht von Franziska Bombach

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