WAZ, 22.06.2012: Pfarrer taufen direkt an der Ruhr

Laden zum großen Tauffest an der Ruhr: (vorn v.l.) Annette Krüger, Heike Oberwelland, Julia Holtz, Sabine Humbert-Maiwald und Runa Ahl sowie (oben, v.l.) Michael dettmann, Ingo Neserke, Holger Papies, Wolfram Linnemann, Jürgen Krüger, Claus Humbert und Christian Uhlstein. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPoolWAZ. Die Jüngste ist gerade ein paar Tage alt, die Älteste ist 34 und die einzige Erwachsene in der großen Gruppe, die beim ersten Wittener Open-Air-Tauffest an der Ruhr das Sakrament empfängt.

Die Idee dazu entstand nach dem letzten „Jahr der Taufe“ im Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten. Viele Gemeinden hatten 2011 zu Tauffeiern der etwas anderen Art geladen. Mit Erfolg. 100 zusätzliche Taufen gab es. Da könne man bei durchschnittlich 500 Taufen pro Jahr im ganzen Kirchenkreis schon von einem „Boom“ sprechen, findet Superintendent Ingo Neserke (47).

Jetzt also quasi eine Massen-Taufe am Schleusenwärterhäuschen. 500 Familien schrieb der Kirchenkreis dafür an. „Die Resonanz war richtig groß“, freut sich Synodalpfarrerin Annette Krüger (54). 69 Menschen, darunter viele Jugendliche, werden nun am Sonntag, 1. Juli, ab 11.30 Uhr gemeinsam getauft. Über 100 Ehrenamtliche bauen frühmorgens elf Pavillons auf. Denn die 16 Pfarrerinnen und Pfarrer taufen nicht im Fluss - mit einer Ausnahme: Michael Dettmann taucht mit dem kleinen Paul direkt in die Ruhr. Sonst bringt einfach jeder eine Schale oder ein mobiles Taufbecken mit.

„Wir merken, dass viele ein großes Bedürfnis haben, sich taufen zu lassen“, sagt Ingo Neserke. Bei über 90 Prozent liege die Taufquote in evangelischen Familien. Allerdings gebe es auch jene, die aufgrund familiärer oder beruflicher Veränderungen den richtigen Zeitpunkt dafür verpasst haben. „Das können zum Beispiel Ein-Eltern- oder Patchworkfamilien sein, Neubürger oder solche, die ihren Arbeitsplatz verloren haben“, sagt Annette Krüger. Mancher Jugendliche habe vielleicht auch einfach keine Lust, allein in der Kirche getauft zu werden.

Ihnen bietet der Kirchenkreis nicht nur ein Gemeinschaftserlebnis, sondern in Zusammenarbeit mit der Wabe ein Fest – „das sich manch einer vielleicht nicht leisten könnte“, wie die Synodalpfarrerin vermutet. „Das aber bei der Aufnahme in die Familie Gottes dazu gehört“, so der Superintendent. 8000 Euro kostet das Ganze, die Hälfte sind Spenden. Über 1000 Besucher werden erwartet. Auch Spaziergänger sind gern gesehen. Nur Spontan-Taufen, die wird es nicht geben.

WAZ-Bericht von Annette Kreikenbohm

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