WAZ, 23.08.2012: Radler-Stopp am Alten Zollhaus

Ins ehemalige Zollhäuschen an der Lakebrücke soll eine Gastronomie einziehen. Eine Bereicherung für Witten - Herbede, Foto: Horst MüllerWAZ. Können die das? Die Verwandlung des Schleusenwärterhäuschens in einen anerkannten Pausenstopp für Radler an der Ruhr  – dabei hat die Wabe bereits ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Nun folgt der zweite Streich: Die Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung startet im Oktober mit dem Umbau des ehemaligen Zollhauses  an der Lakebrücke in Herbede. Im Sommer 2013 soll dort ein Gartenlokal mit Ruhrblick eröffnen.

Die Idee zur gastronomischen Nutzung des denkmalgeschützten Gemäuers entstand vor gut einem Jahr. „Wir haben das Zollhäuschen damals gar nicht im Blick gehabt. Schließlich wohnt dort jemand. Wir wussten nicht, dass das Haus kaum genutzt wird“, sagt Wabe-Chef Thomas Strauch. Ein Herbeder brachte den Vorschlag bei einer CDU-Veranstaltungsreihe  ein, als die Perspektive des Ortsteils als „Tor zum See“ diskutiert wurde.

Nun wird der Blick aufs Wasser  ein Stück weit frei gemacht, indem das üppig wuchernde Gestrüpp zurückgeschnitten wird. Über drei Jahre werden das 300 Quadratmeter große Haus, das  direkt an der Brücke liegt, und die 150 Quadratmeter große Gartenfläche um- und ausgebaut.  Wenn die Verhandlungen mit dem Nachbarn gut laufen, wird die Grünfläche erweitert.

Geschäftsführer Thomas Strauch schwebt ein Bauerngartenlokal mit kleinen Sitznischen, Kräuterbeet und Blumenmeer vor.   Auch Veranstaltungen sollen im Haus an der Lakebrücke stattfinden. Strauch hofft am Ende auf fünf dauerhafte Arbeitsplätze in der neuen Gastronomie. Halt machen sollen dann die Inlineskater, die ab Sommer am Haus vorbeirollen, Radfahrer, Spaziergänger und auch die Anwohner. Autofahrer sind weniger eingeplant - deshalb sind maximal fünf Parkplätze vorgesehen.

Konkurrenz zum Schleusenwärterhaus die Ruhr ein Stück weiter rauf soll nicht aufkommen. Irena Cichy, Leiterin des Wabe-Service- Teams, wünscht sich vielmehr eine etwas „chickere“ Alternative.  Es dürfe gern etwas ruhiger sein, passend zu  Blumen und Kräutern.

Bei solchen Plänen geht Stahlfabrikant Gunnar Lohmann-Hütte, in dessen Familienbesitz sich das Zollhaus befindet, das Herz auf. Möglich wird das Projekt mit der Wabe, weil die Familie mit im Boot ist. Geplant sind Investitionen von über 200.000 Euro. „Wir gehen bei der Kostenschätzung eher konservativ vor. Doch laut unserem Umbauplan liegen die Kosten etwas über der Summe“, sagt Wabe-Chef Strauch. Deshalb will man wie beim Schleusenwärterhaus in mehreren Schritten vorgehen. Während der Umbauphase soll die Gastronomie bereits starten. Die Einnahmen sollen auch in nötige Reparturen fließen.

Derzeit ist das Zollhäuschen zwar noch bewohnt. Doch die ältere Dame, die ohnehin näher hin zu ihrer Schwiegertochter  ziehen wolle, habe „alle Zeit der Welt, eine neue barrierefreie Wohnung zu finden“, sagt Strauch. „Wir werden die Dame mit den beginnenden Arbeiten nicht stören.“

Am Haus ist manches zu tun, wenn die aus dem 19. Jahrhundert stammende Zollstelle wieder in neuem Glanz erstrahlen soll. Derzeit wirkt die Fassade sehr trist. Der Wabe-Geschäftsführer will auch die Herbeder Bürger für das Projekt gewinnen. „Im Oktober soll es ein kleines Konzert auf dem Gelände geben. Damit alle vorbeischauen und sich umgucken.“ Geplant sind Baustellenbesichtungen und Debatten über die Umbaupläne – eine Ideenschmiede an der Ruhr.

WAZ-Bericht von Anne Wohland

 

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