19.07.2013: Würstchen brutzeln gegen die Arbeitslosigkeit

Wolfgang Schneider in seinem Element - er brutzelt im Verkaufswagen die Bratwürstchen: "Die Arbeit hier macht mir großen Spaß." (Susanne Linka) Ruhr Nachrichten. Der Wittener Wolfgang Schneider (48) steht am Alten Zollhaus neben der Herbeder Lakebrücke am Grill. Er arbeitet für die Beschäftigungsgesellschaft Wabe in einem neuen Projekt. Die Idee dahinter ist die öffentlich geförderte Beschäftigung. Ein Modellprojekt des Landes.

Auch wenn die Sonne brennt, schmecken Bratwurst und Grillteller. In der Mittagshitze herrscht am Alten Zollhaus neben der Herbeder Lakebrücke reger Betrieb. Wolfgang Schneider (48) steht im Pavillon hinter dem Verkaufstresen und lässt das Grillgut brutzeln. Wer mit ihm sprechen will, muss schon ein Weilchen warten, bis der Andrang nachgelassen hat.

„Das macht mir hier richtig Spaß“, versichert er dann in einer kleinen Pause. Das neue Projekt kommt bei ihm gut an. „Es soll sich zeigen, ob es nicht besser ist, Menschen für Arbeit ordentlich zu bezahlen als Arbeitslosigkeit zu finanzieren“, beschreibt Wabe-Geschäftsführer Thomas Strauch den neuen Ansatz. Im EN-Kreis nehmen 16 Langzeitarbeitslose teil. Sieben in Hattingen und neun in Witten bei der Wabe.

Auch Schneider gehört dazu. Er ist eigentlich gelernter Maler und Lackierer, musste seinen Beruf wegen einer Allergie aber aufgeben: „Dann habe ich noch Betriebsschlosser Metall gelernt, habe aber keine Berufserfahrung.“ Zehn Jahre schon ist er arbeitslos.

Als 1,50-Euro-Jobber hat er vor zwei, drei Jahren schon einmal für die Wabe gearbeitet: „Im Schleusenwärterhaus und im damaligen Restaurant Rote Asche in Bommern“, zählt er auf. Fürs Kochen habe er sich immer schon interessiert, das mache ihm großen Spaß.

Als dann neulich die Wabe angerufen habe und ihm den Zweijahresvertrag für die öffentlich geförderte Beschäftigung angeboten habe, da habe er sofort zugegriffen. Dass nun etwas grundlegend anders wäre als einst im Ein-Euro-Job, bemerke er gar nicht. „Mehr Geld als früher bleibt auch nicht übrig“, meint er.

Für seinen Einsatz soll er einen Stundenlohn von 8,50 Euro erhalten. „Ich glaube, so viel ist das aber gar nicht, es wird vielleicht demnächst noch angepasst“, sagt Schneider achselzuckend. Das Geld sei ihm gar nicht so wichtig. Auch die Tatsache, dass er jetzt zumindest zwei Jahre lang während des Projektes nicht mehr als arbeitslos gilt, ist für ihn nicht so wichtig: „Ich habe gar nicht mehr mit dem Arbeitsamt zu tun. Ja, eigentlich ist das gut“, sagt er bedächtig.

Über anschließende Bewerbungen in einem richtigen Gastronomiebetrieb hat er sich noch nie Gedanken gemacht: „Ich bin ja auch kein gelernter Koch.“ Und die Arbeit dort sei auch nicht einfach: „Am liebsten würde ich hier bleiben“, hofft Schneider auf eine Festanstellung bei der Wabe: „Hier ist es auch mal stressig, aber schön.“

Bericht aus den Ruhr Nachrichten von Susanna Linka

 

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