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25.08.2014: Wittener Radstation bangt um Arbeitsplätze

Überdacht und bewacht: Gerade Pendler wissen ihre Fahrräder in der Radstation im Bahnhof gut aufgehoben. Foto: Walter Fischer
Überdacht und bewacht: Gerade Pendler wissen ihre Fahrräder in der Radstation im Bahnhof gut aufgehoben. Foto: Walter Fischer

WAZ. Wenn die Bahnhofshalle umgebaut wird, muss die Radstation ihren jetzigen Standort wohl aufgeben. Der Eigentümer betont zwar, den gerade bei Berufspendlern beliebten „Fahrrad-Parkplatz“ mit angeschlossener Werkstatt im Bahnhof halten zu wollen. Doch die Beschäftigten bangen um ihre Jobs.

Olaf ist „Wiederholungstäter“, wie er selbst von sich sagt. Der Wittener hat nach 2012 jetzt zum zweiten Mal einen befristeten 1,50-Euro-Job in der Radstation im Bahnhof. „Super“ sei es hier, sagt der 42-Jährige, der wie die meisten seiner Kollegen eigentlich langzeitarbeitslos ist. „Die Radstation ist auch soziale Auffangstation“, meint deren Leiter Frank Lojda. Doch seitdem der Pachtvertrag ausgelaufen ist und der Umbau der Bahnhofshalle irgendwann vor der Tür steht, bangen sie alle um ihre Arbeitsplätze. Denn in dieser Form wird es die Radstation an dieser Stelle dann wohl nicht mehr geben.

Es ist Freitagmorgen (22.8.) und im Bahnhof wenig los. Mesut (28) schraubt ein Hinterrad los, um den Schlauch zu wechseln. Irgendwo liegt ein verschmierter Öllappen, ein Radio plärrt, rauchen ist erlaubt. Mesut leistet Sozialstunden, weil er Mist im Verkehr gebaut hat. „Schade“ fände es der 28-Jährige, gäbe es die Station nicht mehr.

Die Wabe, die Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung, hat die Radstation vor Jahren aufgebaut. Inzwischen ist sie kaum noch aus dem Bahnhof wegzudenken. 30 Berufspendler haben ein Jahresticket, um hier täglich bewacht das Rad stehen zu lassen, andere lösen nur die Tageskarte. Dazu kommt die kleine Werkstatt. Hinten im „Tunnel“ stehen auch Leihräder. Je nach Wetterlage sei gut zu tun, sagt Frank Lojda, der einzige Festangestellte unter 15 bis 20 Ein-Euro-Jobbern.

Auch für den 49-Jährigen geht es um viel, wurde er nach zwei Jahren doch in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Das ist eine blöde Situation“, meint er. Theoretisch könne der Eigentümer jederzeit sagen, „dass wir in wenigen Monaten raus müssen. Wir sind ja nur geduldet“. Gleichzeitig betont der hoch gewachsene Mann: „Es ist nett von ihm, dass er sich um eine Alternative bemüht.“
Werkstatt auch im Heizungskeller denkbar

Gemeint ist Markus Bürger, der die Bahnhofshalle voraussichtlich ab 2015 umbauen will und anstelle der Radstation nach finanzkräftigeren Mietern sucht. Bürger versichert: „Wir wollen die Radstation im Bahnhof behalten.“ Er wolle nicht nur ein historisches Stadttor schaffen, sondern auch einen Start- und Endpunkt für Pendler und touristische Unternehmungen.

Lojda zeigt uns eine „Alternative“, den Heizungskeller an der Seite zum ZOB, zu dem eine steile Treppe führt. Dort wäre vielleicht eine Werkstatt denkbar, während die Dauerparker im langen Tunnel hinten in der jetzigen Radstation weiter ihr Fahrrad abstellen könnten. Dort ist Platz für über 100 Räder, ein Chip-System wäre denkbar. Dann aber, sagt Frank Lojda mit einem Ton des Bedauerns, „hätten die Leute kaum noch Kontakt mit uns“. Er fürchtet, dass viele Pendler wegblieben - und die harten Jungs nicht mehr gebraucht werden.

WAZ-Bericht von Jürgen Augstein

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