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18.07.2014: Am Anfang stand Improvisationstalent

Rita, Thomas, Silke und Jörg (v.li.) genießen am Schleusenwärterhäuschen ihre Radtourpause. Foto: Thomas Nitsche / WAZ FotoPool
Rita, Thomas, Silke und Jörg (v.li.) genießen am Schleusenwärterhäuschen ihre Radtourpause. Foto: Thomas Nitsche / WAZ FotoPool

WAZ. Der Ruhrtalradweg war eröffnet, ein gastronomisches Angebot fehlte. Bis die Wabe das Schleusenwärterhäuschen kaufte und vom Holzkohlegrill aus die Radler versorgte. Später kam dann auch noch das Zollhaus hinzu.

Zugegeben: Die Lage ist einmalig. Unmittelbar an der Ruhr, genauer gesagt am Ruhrtalradweg, mit Blick auf die Burgruine Hardenstein (die jetzt im Sommer vom dichten Grün der Bäume ein wenig verdeckt wird), und nur einen Steinwurf von der Fähre entfernt, liegt das „Königliche Schleusenwärterhaus“. Gebaut wurde es 1835 für, wie der Name schon sagt: den Königlichen Schleusenwärter. Der bediente nämlich von Hand die damalige Holzschleuse. Bestimmt wäre der Herr Schleusenwärter froh gewesen, wenn er nach dieser schweißtreibenden Arbeit ein kühles Bier oder auch eine heiße Bratwurst bekommen hätte. Hat er aber vermutlich nicht.

Doch wer heute nach einer anstrengenden Radtour, einer Wanderung oder einem Spaziergang am Schleusenwärterhaus ankommt, der kann sich auf einem der etwa 240 Sitzplätze niederlassen, im Schatten oder in der Sonne, und bei Pommes oder Flammkuchen, bei Wasser oder Bier wieder zu Kräften kommen. „Es gab schon lange die Überlegung, dass hier eine Gastronomie entstehen müsse“, sagt Wabe-Projektleiterin Christiane Küpper. Der Ruhrtalradweg war eröffnet, die Infrastruktur fehlte. Dennoch hätten sich viele da gar nicht erst heranwagen wollen, so Christiane Küpper – „wegen der ganzen Vorschriften: Denkmalschutz, Naturschutz, Wasserschutz.“ Doch die Wabe wagte es und kaufte dem Land NRW 2009 das Gebäude ab.

Das befand sich leider in relativ schlechtem Zustand: Schimmel, Moder, überall marodes Holz. Da half nur eine Kernsanierung. Doch die dauerte. Daher wurde erst einmal ein bisschen improvisiert: Bis die richtige Küche im Haus fertig war, versorgte man die hungrigen Radler und Spaziergänger vom Holzkohlegrill.

Heute ist das Publikum ebenso bunt gemischt wie zahlreich: Eine Frau sitzt mit Kaffeetasse und Buch in der Sonne, eine Familie mit zwei kleinen Kindern diskutiert gerade die Mittagessenauswahl, ein altes Ehepaar plant die Fahrt mit der Fähre, eine Truppe Fahrradausflügler genießt lachend ihre Pause.

Auch das direkt an der Lakebrücke gelegene Zollhaus wird von der Wabe betrieben. Früher hat hier der Zöllner gelebt, der den Zoll für die Überquerung der Brücke kassierte. Seit Juni 2013 lädt der Biergarten mit seinen etwa 200 Plätzen ebenfalls zur kurzen – oder auch längeren – Radtourunterbrechung ein. Wie am Schleusenwärterhaus hat die Wabe hier klein angefangen: mit Grill und Holzpavillon. Im August soll die Küche im Innenbereich eingeweiht werden können, „wenn alles nach Plan läuft“, so Christiane Küpper. Zuletzt hat die Wabe das Außengelände begradigt – „die Leute sagten nämlich, ihnen liefe immer die Currysoße von der Wurst“.

WAZ-Bericht von Gianna Schlosser

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